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Hahl

Neben Bergbau und Eisenverarbeitung kann die Heimatstube Sprockhövel auch das Leben auf bäuerlichen Anwesen in reichem Maße veranschaulichen. Viele Ausstellungsobjekte sind vor allem der jüngeren Generation nicht auf Anhieb verständlich.
In einem Bauernhaus war die Herdstelle Brennpunkt des Gebäudes. Allein von hier ging Wärme aus. Hier wurde gekocht und gebraten.
Zum Kochen brauchte man den Hahl (auch „Hal“ geschrieben, niederdeutsch „Haol“). Er gehörte in früheren Jahrhunderten zur Ausstattung des Herdfeuers. Dieser Kesselhaken, ein einseitig gezahntes Flacheisen, hing an einem eisernen (galgenartigen) Wendebaum. Die ganze Vorrichtung war unter einen mächtigen Rauchfang gestellt.
Man konnte mit Hilfe des Hahls den Topf oder den Kessel näher an das Feuer heranführen oder von ihm entfernen. Wenn der Bauer von der Feldarbeit zurückkehrte, brauchte er nur der Bäuerin zu sagen: „Leg ’mal einen Zahn zu!“ Durch das Herunterlassen des Topfes wurde dann der Koch- oder Erwärmungsvorgang beschleunigt. So entstand die sprichwörtliche Redensart.
Der Hahl hatte auch rechtsgeschichtlich seine Bedeutung. Der Heimatforscher Fritz Lehmhaus schildert anschaulich den Übergang eines Hauses von einem Besitzer zum anderen: Der Grundherr nahm den Hahl ab und „gab ihn dem Käufer in die Hand, goss das Feuer aus und setzte den Stuhl des bisherigen Besitzers vor die Tür“ – auch dieses Ereignis wurde sprichwörtlich. In anderen Teilen Westfalens war es Brauch, dass der Jungbauer seiner Braut einen prächtig gearbeiteten Hahl schenkte und ihr damit symbolisch die Vollmacht über Küche und Herd anvertraut. So wird an einem einfachen Ausstellungsstück ein Teilbereich des Alltagslebens einer weit zurückliegenden Zeit erlebbar.