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Bergmännisches Geleucht

Die Heimatstube Sprockhövel verfügt über eine reiche Sammlung von Bergmannslampen.

Die vielen Generationen "bergmännischen Geleuchts" (vom Kienspan bis zur elektr.Kopflampe) finden sich in zwei Vitrinen exemplarisch versammelt. Die beiden hier ausgesuchten Beispiele scheinen auf den ersten Blick unauffällig zu sein. Es sind Akku-Lampen. Die kleinere wurde in unserem  Steinkohlenbergbau verwendet. Die größere ist anderer Herkunft. Sie hat einen zwei-  bis dreifach stärkeren Akku als die Vergleichslampe. Das ist erklärlich: Sie hatte im Kali- und Salzbergbau Räume (Kavernen) von 20 m Höhe und mehr auszuleuchten. Aus Gründen der starken Korrosion hat dieser Lampentyp eine korrosionssichere Kunststoffumkleidung. Hersteller dieser Lampe war die Firma AKA-Electric, Zwickau. Diese Lampe wurde in der Zeit von ca. 1948 bis 1975 direkt vor Ort, d. h. in der Grube Marie (Kalisalzbergwerk Bartensleben) in Beendorf (Sachsen-Anhalt) eingesetzt. Dieser Schacht der Gewerkschaft Burbach war ca. 110 Jahre in Betrieb. In der Zeit 1937 bis 1945 beherbergte das Bergwerk die Untertageverlagerung Bulldogge, eine kriegswichtige Produktionsanlage (Teile für das Düsenflugzeug Messerschmidt Me 262 und für die Vergeltungswaffen V1/V2). Sie wurde nach der Umwandlung in einen Volkseigener Betrieb (VEB) Geflügelmast bzw. Volkseigenes Gut (VEG) Mast Beendorf von1959 bis 1984 zur Hähnchenmast genutzt. Das mag eigentümlich klingen, aber in dieser ehemaligen Abbaustelle herrschten konstante Temperaturen von 20/21°C - die ideale Voraussetzung für Hähnchen("Broiler"-)zucht. Von 1978 bis 1998 wurde sie als Endlager Morsleben für schwach- bis mittelaktiven Abfall genutzt.

Der Eigentümer dieser Lampe hat sie beim Verlassen seiner angestammten Heimat 1990 nach Haßlinghausen mitgebracht. Während eines langen Arbeitslebens hatte sie ihn begleitet. Wenige Wochen vor seinem Tod Anfang 2008, den er unausweichbar auf sich zu kommen sah, hat er dieses ihm persönlich sehr verbundene Objekt dem Heimatverein geschenkt. Aus römischer Zeit ist uns der Spruch geläufig "Habent sua feta libelli" ("Bücher haben ihre Schicksale"). Wir sehen: Auch Bergmannslampen haben ihr Schicksal.